Samstag, 6. Juni 2015

Warum eigentlich DAS?

In grauer Vorzeit, bald 30 Jahre ist es her, habe ich tatsächlich mal mein erstes Rollenspiel gespielt. Und es war überraschender Weise nicht DSA sondern die alte rote D&D Box. Ein damaliger Schulfreund hatte diese Box und dieses seltsame Spiel, aber nach ein paar Wochen waren andere Dinge wieder wichtiger. Ein paar Klassenstufen später lernte ich nach dem Schulwechsel Leute kennen, die Rollenspiel spielten, und ich kannte das und wollte gerne mitmachen. Da spielten wir dann DSA. Im örtlichen Rollenspielladen gab es aber auch andere Rollenspiele und wir probierten auch Traveller und GURPS Supers aus; MERS, Call of Cthulhu, Paranoia und ein zwei andere an die ich mich nicht mehr erinnere waren sicherlich auch dabei. Ich hatte also schon recht früh mehr als nur DSA gesehen.


Etwas später dann wurden in einer anderen Gruppe viele verschiedene Dinge gespielt; besonders in Erinnerung sind mir WEG's Star Wars und Palladium's Heroes Unlimited geblieben. DSA wurde aber auch gespielt, zumindest die Abenteuer. Zu Uni-Zeiten landete ich dann bei einem D&D-Spielleiter, dem es aber mehr darum ging, eine Mitspielerin mit seiner Kreativität zu beeindrucken als um alles andere. Dort lernte ich aber Raffa kennen, der dann am längsten und erfolgreichsten DSA für mich leitete (aber wir haben immer auch anderes Zeug ausprobiert, zum Beispiel White Wolf's Trinity).

Als ich nach der Uni die Stadt wechselte, war ich noch ein paar Mal Gast und leitete auch das eine oder andere, aber nie DSA. Und in Hamburg dann war ich geprägt durch Online-Diskussionen und eine neue Umgebung auf einmal in der Gesellschaft von Leuten, die gar kein DSA spielten. Ich habe mich also weniger von DSA abgewandt, vielmehr ist DSA einfach weggefallen (und ich habe es nicht wirklich vermißt). In Hamburg begann auch meine Indie/SmallPress-Zeit, als ich mit Martin und Consorten die Kieler Tradition der Testpiloten-Runde aufnahm.


Mit dem nächsten Stadt- (und Landes-)Wechsel bin ich dann über Umwege bei einer Oldschool-Runde gelandet. Und da habe ich im Prinzip das D&D das ich ganz am Anfang mal gespielt hatte, wirklich kennen gelernt. Und über fast 7 Jahre erst als Spieler, später auch als Spielleiter, jede Menge Spaß damit gehabt (und nebenbei/parallel aber auch so etwas wie die Testpiloten-Runde hatte).

Und mit dieser Erfahrung, daß man alte Dinge eventuell mit ein zwei Jahrzehnten mehr Erfahrung nochmal anschaut und neu und anders schätzen lernt, wollte ich schauen, ob das auch mit dem Bau eines dsa-Retroklons gelingen kann. Da stecke ich noch mittendrin. Ich habe einen Kernsatz an Regeln identifiziert, den man so benutzen kann wie ich ihn aufgeschrieben habe, aber er knarzt dann eben doch an einigen Stellen. Und jetzt fange ich mit meinen eigenen Hausregeln an; aber mit der Absicht, das spezielle Gefühl von DSA einzufangen, das ich für interessant halte, und von dem ich hoffe dass es mehr ist als reine Nostalgie.

Eine Floskel/Phrase, mit der man das DSA-Gefühl häufig beschreibt, ist Phantastischer Realismus. In der Ausprägung des Bauergaming mit Spielerkleinhalten, wie Leute die mit DSA nicht glücklich sind es oft sehen, macht das natürlich wenig Spaß. Auf der anderen Seite habe ich zu Paolo Greco's Adventure Fantasy Game und seinem Chthonic Codex einen Retroklon plus Welt vorliegen, die nach meinem Dafürhalten etwas taugen und eine früh-DSAige Prägung haben (und DSA war Paolo's erstes Rollenspiel, insofern gibt es da auf jeden Fall Zusammenhänge).

Ein abschließendes Ergebnis habe ich noch nicht, aber mein Ziel ist natürlich eine Retro-Hommage, die die positiven Aspekte bewahrt und die negativen Aspekte vermeidet oder bessere Optionen anbietet. Hier muß ich aber auch sehen, was die Spielrealität Berlins so bietet; allen des Schreibens wegen mache ich mir die Mühe ja nicht.

PS: Dieser Blogbeitrag ist eine ausführlichere Version eines Forenbeitrags; wenn geneigte Leser etwaige Wiederholungen wahrnehmen, liegt es wahrscheinlich daran.
Kommentar veröffentlichen